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Young Professional
Generationsexperiment Teamarbeit

Was ältere Arbeitslose und junge Entwickler voneinander lernen

08.05.2008
Autor(en): Hans Königes, COMPUTERWOCHE-Redakteur.
Der SAP-Dienstleister Itelligence aus Bielefeld macht in einem Generationenexperiment vor, wie Alt und Jung in gemischten Teams voneinander profitieren.

Hier lesen Sie

  • welche Konsequenzen der demografische Wandel in Unternehmen hat;

  • warum ein Bielefelder IT-Mittelständler ein Experiment mit älteren arbeitslosen IT-Mitarbeitern begann;

  • weshalb die ersten Erfahrungen Mut für weitere Versuche machen.


"Wenn die Bevölkerung immer älter wird, können die Mitarbeiter nicht jünger werden." So prägnant kritisierte einmal der Arbeitswissenschaftler Hans-Jörg Bullinger vom Fraunhofer-Institut den Jugendwahn in deutschen Unternehmen. Angesichts des demografischen Wandels sei es unlogisch, auf ältere Arbeitnehmer zu verzichten. Die Praxis gibt ihm Recht: Immer mehr Firmen können Stellen nicht besetzen, weil sie keine jungen Leute vor Ort finden - sei es aus demografischen Gründen, sei es, weil die Qualifizierung der Jungen nicht ausreicht, sei es, weil viele aus der Region abwandern. Woher also die dringend benötigten Fachkräfte nehmen?

Inzwischen haben deutsche Unternehmen offensichtlich erkannt, dass sie mit ihrem Jugendwahn nicht weit kommen. Während 2002 nur 49 Prozent der Betriebe in West- und 51 Prozent der Firmen in Ostdeutschland über 50-Jährige beschäftigten, erhöhte sich dieser Anteil laut einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) innerhalb von wenigen Jahren im Westen auf 51 Prozent, in den neuen Bundesländern sogar auf 58 Prozent - Tendenz steigend. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage des Adecco-Instituts, die größte Erhebung zum demografischen Wandel in Europa. Danach planen die meisten der 2506 befragten Unternehmen, in diesem Jahr verstärkt ältere Arbeitnehmer einzustellen.

Langzeitsarbeitslose treffen auf junge Entwickler

Andere wie der SAP-Dienstleister Itelligence sind da schon weiter. Das Bielefelder Unternehmen startete im Frühjahr 2007 eine Art Generationenexperiment. Gestandenen Entwicklern, um die 30 Jahre alt, wurden ehemalige Langzeitarbeitslose zwischen 50 und 60 mit IT-Background zugeordnet. "Die Neueinsteiger kamen aus dem Großrechnerumfeld, hatten aber teilweise keine SAP-Erfahrung", sagt Dirk Blichenberg-Hansen. Der Manager hatte dieses Konzept des "gemischten Teams" getestet. "Wir sind schnell gewachsen und mussten unsere Projektteams entlasten", nennt Blichenberg-Hansen den Grund.

Dirk Blichenberg-Hansen, Itelligence:
Dirk Blichenberg-Hansen, Itelligence: "Auch Bewerber, die nur 90 Prozent der Anforderungen erfüllen, brauchen eine Chance."

Viele Routineaufgaben wie kleinere Änderungen an Formularen oder Schnittstellen konnten die Projektteams wegen ihres hohen Arbeitspensums nicht mehr übernehmen. "Unsere Ressourcen waren derart ausgereizt, dass wir nicht mehr alle Wünsche schnell genug erfüllen konnten. Einige unserer Bestandskunden drohten deswegen abzuspringen." Also baute Blichenberg-Hansen ein Team auf, das sich verstärkt um diese Klientel kümmerte: fünf Professionals aus den eigenen Reihen, vier Langzeitarbeitslose und vier Fachinformatiker-Azubis. Damit sollten auch die Projekte im eigenen Haus unterstützt werden. Wegen des hohen Drucks im Beratungsgeschäft blieben nämlich immer weniger Kapazitäten für die Weiterentwicklung der eigenen Lösungen und Systeme.



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